Vorwort

Das Bundeskabinett hat am 24.08.2022 auf Basis der Verordnungsermächtigung in § 30 Absatz 1 des Energiesicherungsgesetzes die Verordnung für kurzfristige Energieeinsparmaßnahmen (EnSikuMaV) beschlossen. Mit der Verordnung sollen kurzfristige Energiesparmaßnahmen insbesondere in Wohn- und Nichtwohngebäuden durchgesetzt werden. Besonders öffentliche Unternehmen, die Energie-, Immobilien-, Tourismuswirtschaft und der Handel müssen nun kurzfristig eine Reihe von Maßnahmen umsetzen. Hier ein Auszug aus den umzusetzenden Maßnahmen:

  1. Der Einzelhandel muss Ladentüren und Eingangssysteme, bei deren Öffnung ein Verlust von Heizwärme auftritt, geschlossen halten. Ausnahmen gelten, sofern das Offenhalten nicht für die Funktion des Ein- oder Ausganges als Fluchtweg erforderlich ist.
  2. Werbeanlagen dürfen in der Zeit zwischen 22 und 16 Uhr nicht beleuchtet werden. Ausnahmen gelten aus Gründen der Verkehrssicherheit oder zur Abwehr anderer Gefahren, wenn dies kurzfristig nicht durch andere Maßnahmen ersetzt werden kann. Die Verordnung nennt als Beispiele Anlagen "an Fahrgastunterständen oder Wartehallen, Haltepunkten und Bahnunterführungen, die aus Gründen der Betriebssicherheit und öffentlichen Ordnung wie Straßenbeleuchtung zu behandeln sind" sowie Beleuchtung an Tankstellen und von Nebenbetrieben an den Bundesautobahnen.
  3. In öffentlichen Nichtwohngebäuden gelten eine Reihe von Vorschriften. Öffentliche Gebäude sind definiert als "im Eigentum oder in der Nutzung einer juristischen Person des öffentlichen Rechts". Dazu gehört auch ein Unternehmen, das "öffentliche Aufgaben der Daseinsvorsorge erbringt und unter der finanziellen oder politischen Kontrolle von einer Gebietskörperschaft steht." Zu den wichtigsten Vorschriften gehören:
  • Gemeinschaftsflächen, die nicht dem Aufenthalt von Personen dienen, dürfen nicht beheizt werden. Ausnahmen gelten für sensible Einrichtungen (beispielsweise Schulen, medizinische oder Pflegeeinrichtungen). Auch aus technischen Gründen kann ein Abweichen zulässig sein.
  • In Arbeitsräumen darf die Lufttemperatur zudem – je nach Art und Schwere der Arbeit – Temperaturen von 12 bis 19 Grad nicht übersteigen. Das ist durchschnittlich 1 Grad weniger als die Mindesttemperatur, die in der Arbeitsschutzrichtlinie für Raumtemperaturen vorgesehen ist.
  • Dezentrale Trinkwassererwärmungsanlagen (Durchlauferhitzer oder Boiler) müssen ausgeschaltet werden, wenn deren Betrieb überwiegend zum Händewaschen vorgesehen ist.
  • Bei zentralen Trinkwassererwärmungsanlagen muss die Temperatur auf das Maß reduziert werden, "das nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik erforderlich ist, um ein Gesundheitsrisiko durch Legionellen im Wasser zu vermeiden." Nach der Empfehlung des Umweltbundesamtes liegt diese Temperatur bei Anlagen mit mehr als 400 Litern zwischen 55 bis 60 Grad. Ausnahmen gelten für Anlagen, bei denen der "Betrieb von Duschen zu den gewöhnlichen betrieblichen Abläufen gehört.
  • In Arbeitsräumen in Arbeitsstätten (außerhalb der öffentlichen Nichtwohngebäude) gelten die oben genannten Maximaltemperaturen als Mindesttemperaturen. Unternehmen können also von den Vorgaben der Arbeitsschutzrichtlinie im Durchschnitt um 1 Grad nach unten abweichen, müssen dies jedoch nicht. An Büroarbeitsplätzen sind also auch 19 statt wie bisher 20 Grad zulässig.

Die Energie- und Wasserwirtschaft ist von den Regelungen in zweierlei Hinsicht betroffen. Zum einen gilt es die Maßnahmen im eigenen Unternehmen umzusetzen und zum anderen werden sie mit zusätzlichen Informationspflichten belastet.
Anbei erhalten Sie eine aus unserer Sicht sinnvolle Auswahl an Energiesparmaßnahmen. Bei den Maßnahmen ist es uns wichtig Sie durch nichtinvestive bzw. geringinvestive Maßnahmen bei der Energie- bzw. Heizwärmereduzierung unterstützen zu können. Durch ein angepasstes Nutzerverhalten sowie kleinere Optimierungsmaßnahmen an der vorhandenen Anlagentechnik kann effektiv Energie eingespart werden.

Tipps zur Reduzierung des Heizwärmeverbrauchs

Der größte Teil der benötigten Energie innerhalb eines Haushaltes wird zum Heizen sowie der Warmwasseraufbereitung benötigt. In mehr als der Hälfte aller Haushalte in Deutschland erfolgt dies mit Gas. Durch dieses Verbrauchsverhalten liegt demnach genau hier das größte Einsparpotenzial. Durch folgende Tipps erfahren Sie, mit welchen einfachen Änderungen in Ihrem Heizverhalten Sie künftig Energie und somit in vielen Fällen auch Gas einsparen können.

1. Reduzierung der Innentemperatur
    Temperieren Sie Ihre Räume bedarfsgerecht, indem Sie das Thermostatventil Ihres Heizkörpers korrekt einstellen. Die Skala des Temperaturreglers reicht in der Regel
    von * (Frostschutz bzw. 6 Grad) bis zur Stufe 5 (bis zu 28 Grad). Achten Sie dabei darauf, die Raumtemperatur nie höher einzustellen als erforderlich. Durch die
    Reduzierung der Innentemperatur von 21 Grad auf 20 Grad können Sie Ihren Verbrauch um etwa 6 Prozent reduzieren. Die Temperatur sollte jedoch nie 16 Grad
    unterschreiten, da sich sonst Schimmel an den Wänden bilden kann. Um sich die Temperaturregulierung zu erleichtern, gerade auch bei Abwesenheiten tagsüber, sind
    programmierbare Thermostatventile ideal.

2. Reduzierung der zu beheizenden Fläche
    Wichtig beim Heizen: Schließen Sie die Türen zwischen Räumen mit unterschiedlichen Temperaturen. Dies gilt auch im Sommer für die Nutzung einer Klimaanlage.
    Besonders über Flure und Treppenhäuser entweicht viel Wärme. Hier eine Empfehlung einzuhaltender Innenraumtemperaturen:

 

3. Richtiges Lüften spart Energie
    So komisch wie es auch klingen mag: Richtiges Lüften spart Energie. Grundsätzlich empfiehlt es sich kurz und stoßweise die Fenster zu öffnen. Gerade das Querlüften
    erweist sich als äußerst effektiv, wenn Sie die Raumluft schnell und wirksam austauschen möchten – damit sparen Sie jede Menge Energie. Beim Querlüften bleiben die
    Türen offen. Nur wenn es sich um Räume handelt, die mit Nässe in Verbindung stehen (z. B. das Bad), sind die Türen zu schließen, damit sich die Feuchtigkeit nicht auf
    andere Räumlichkeiten verteilt. Die Heizung sollten Sie während des Lüftens ausschalten. Die Dauer des Lüftens ist Jahreszeiten abhängig. Hier eine Empfehlung der
    Lüftungsdauer je Monat:

 

4. Heizkörper regelmäßig entlüften
    Wird der Heizkörper nicht mehr richtig warm oder gibt er gluckernde Geräusche von sich, ist meist Luft im Spiel. Daher ist es wichtig, dass Sie die Heizung regelmäßig
    vor der jährlichen Heizperiode mit einem Entlüftungsschlüssel entlüften. Auf diese Weise lassen Sie die Luft unkompliziert aus dem Heizkörper ab. Luft innerhalb eines
    hydraulischen Systems bedeutet erhöhten Wärmebedarf. Die Luft verhindert die optimale Wärmeabgabe an den jeweiligen Raum. Dies bedeutet längere Heizphasen und
    eventuell höhere Systemtemperaturen. Beide Faktoren führen zu einem erhöhten Verbrauch.

5. Hydraulischer Abgleich für die Heizung
    Vielleicht glühte ein Heizköper im letzten Winter, ein anderer wurde nicht ordentlich warm oder gluckerte? Möglicherweise ist dann die Heizungsanlage nicht optimal
    eingestellt. Ein hydraulischer Abgleich, der die Wärme gleichmäßig im Gebäude oder in der Wohnung verteilt, kann helfen. Ein Fachbetrieb stellt sicher, dass alle
    Heizkörper die nötige Wärme abgeben, um die gewünschte Raumtemperatur zu erzielen. Dabei werden auch individuelle Kriterien berücksichtigt, wie die Eigenschaften
    des Hauses, Fenster und Dämmung der Außenwände. So lässt sich der Energieverbrauch um 10 bis 15 Prozent senken. 20 Prozent der Kosten für den hydraulischen
    Abgleich bekommen Sie zurück – über die „Bundesförderung für effiziente Gebäude – Einzelmaßnahmen (BEG EM)“.

6. Optimierung der Heizungssteuerung
    Weitere Sparpotenziale liegen in den Zeitsteuerungen der Heizungsanlagen. Stellen Sie die Zeiten mit reduziertem Wärmebedarf ein, wie es zu Ihrem Lebensrhythmus
    passt. Grundsätzlich empfiehlt sich eine Nachtabsenkung, durch die die Vorlauftemperatur der Heizung reduziert wird. Eine Tagesabsenkung macht Sinn, wenn Sie
    längere Zeit am Tag abwesend sind, also beispielsweise die Wohnung während der Arbeitszeit verlassen. Moderne Systeme ermöglichen es Ihnen sogar,
    Wochenprogramme zu erstellen, mit denen Sie Ihr ganz persönliches Heizprofil für jeden einzelnen Werktag und die Wochenendtage anlegen.

7. Dämmung freiliegender Heizungsrohre in unbeheizten Bereichen
    Und zu guter Letzt: ungedämmte Heizungsrohre in unbeheizten Räumen sorgen für einen erhöhten Verbrauch. Daher ist es zu empfehlen diese Rohre zu dämmen und
    so die Verluste zu minimieren. Wichtig sind die freizugänglichen Rohre für die Heizungsverteilung sowie die Warmwasseraufbereitung.